Küchentrends ’16 – alles anders?

Wenn zeitlich machbar, zieht es uns alle zwei Jahre nach Mailand auf eine der größten Möbelmessen weltweit, die ‚Salone del Mobile’. Dort sind allerlei Möbeltrends zu begutachten, wobei uns vor allem die Küchenneuheiten der ‚EuroCucina’ interessieren. Letzte Woche war es wieder so weit und wir haben uns einen Tag lang eine Küche nach der anderen angesehen. Wir haben sie uns aber nicht nur angesehen, sondern auch mit denen, die wir planen und herstellen, verglichen. Und siehe da: Die Küche wurde glücklicherweise in den letzten zwei Jahren nicht neu erfunden! Dennoch konnten wir ein paar Trends identifizieren, die wir euch in aller Kürze schildern:

Verstärkter Einsatz unterschiedlichster Metalle: Vor allem Kupfer und Messing haben es den Küchendesignern angetan. Möglichkeiten diese zu integrieren gibt es genügend – von der Dekoration über Griffelemente bis hin zu ganzen Rückwänden oder gar Fronten.

Matte Eleganz: Als Kontrast zu den Metallen, bieten sich matte Oberflächen an; egal ob Holz, Glas oder lackierte Flächen, hochglänzendes (nichtmetallisches) entdeckte man selten.

Keramik olé, Naturstein adé: Kaum eine Arbeitsfläche ähnelte der anderen, denn durch die Verwendung von Keramiken lassen sich vielfältige Oberflächen, die in Sachen Vorteile Natursteinen in Nichts nachstehen.

Mittelweg zwischen Griffen und dem vollkommenen Verzicht darauf: Beide Varianten haben sowohl optische, als auch technische Vor- und Nachteile. Diese werden zunehmends mit im Möbel versenkten Griffkanäle umgangen. Diese Entwicklung ist für uns ein spürbares Zeichen dafür, dass Funktionalität wieder mehr in den Vordergrund rückt, denn vor allem die Grifflosigkeit lief nicht überall reibungslos.

Integrierte Geschirrabtropfelemente: Mit etwas Verwunderung stellten wir fest, dass des Öfteren Möglichkeiten zur Ablage und zum Trocknen von nassem Geschirr in den Küchen (zum Teil recht aufwändig) versteckt wurden. Es scheint wohl auch in Zeiten des Geschirrspülers Nachfrage in dieser Richtung zu bestehen.

Wie gesagt, die große, unerwartete Überraschung war nicht dabei, dennoch ist ein Messebesuch immer wieder eine Bereicherung und Abwechslung. In unserem Tun bestärkt verließen wir die Messe in Richtung Wochenende, denn erleichtert und mit etwas Stolz haben wir festgestellt, dass wir keinen wichtigen Trend beziehungsweise technische Neuheit verschlafen haben, sondern absolut am Ball der Zeit sind. Ob Trends schlussendlich umgesetzt werden, entscheidet immer noch unsere Kundschaft, denn goldene Details schonen weder den Geldbeutel, noch sind sie jedermanns Sache.

Design & Funktion – kein entweder oder

Regelmäßig stellen wir fest, dass die Möbelplanung nicht von heute auf morgen erledigt ist, sondern einem (kürzeren oder auch mal längeren) Prozess entspricht. Doch wo anfangen? Mit dem schlussendlichen Aussehen, denn dieses sieht man als Bewohner tagtäglich? Oder vielleicht doch eher mit den inneren Werten, also dem, was das Möbelstück zusätzlich zum schön Erscheinungsbild können soll? Vorab die Info: beides ist möglich und die Entscheidung ist nicht von langer Dauer, denn wie es so oft ist, beeinflussen sich die beiden Elemente Design und Funktion gegenseitig. Nicht nur die Interaktion zwischen Daniel als Planer und der Kundschaft, sondern auch die zwischen Design und Funktion entspricht, wie bereits angedeutet, einem Schaffensprozess.

So individuell wie jede Person ist, ist wahrscheinlich auch die Herangehensweise an die Planung. Für uns hat sich folgende Vorgehensweise bewährt: Noch recht unabhängig vom Design, klären wir mit unserer Kundschaft die Funktionen im Sinne der Anforderungen an das Möbelstück, wie etwa, dass das gewünschte Regal verschieden große Bücher beherbergen soll oder den Platzbedarf für eingebaute beziehungsweise freistehende Geräte in der Küche. Die Funktion beeinflusst auch die optimale Oberflächenwahl, aber dazu zu einem zukünftigen Blogeintrag mehr.

Manche Anforderungen müssen vor der ersten Handskizze gar nicht angesprochen werden, da sie sich implizit ergeben, denn dass es in der Küche Bedarf an einer Arbeitsfläche (auch wenn sie noch so klein ist) gibt, ist üblich, auch dass sich diese circa in Hüft- und nicht in Brusthöhe befindet. Wir geben auch offen und ehrlich zu, dass in manchen Fällen das Design in Anbetracht der Anforderungen etwas zurückstecken muss. Denn ein Kühlschrank oder ein Backofen brauchen etwas Luft zum Durchatmen, damit sich ihre Lebensdauer nicht verkürzt. Der dafür benötigte Platz ist also kein verschwendeter Stauraum und die Belüftungsrille kein unnötiger Staubfänger.

Ob den ganzen Anforderungen gerecht werden kann, hängt im Endeffekt vom Design und zu einem erheblichen Teil auch von den räumlichen Gegebenheiten ab. Unter Berücksichtigung dieser, den Funktionsanforderungen und dem Einrichtungsgeschmack der Kundschaft werden die Ideen, die sich während dem Gespräch in Daniels Kopf gesammelt haben, zu Papier beziehungsweise aufs Tablet gebracht und erstmalig veranschaulicht. Was für ein toller Moment, wenn die Vorstellungen endlich Form annehmen!

Wenn die Gestaltung ins Schwarze trifft, – Daniels Trefferquote ist sehr gut – steht der Feinschliff, also das Wechselspiel zwischen Design und Funktion im Detail, an. Theoretisch könnte dieses unendlich lange gehen. Theoretisch. Denn praktisch ist es aus Baufortschritts-, Liefer-, Produktions-, Wirtschafts-, Nervenschonungs-, etc. Gründen irgendwann notwendig das Abwägen abzuschließen, die „Was wäre wenn …?“-Frage aus dem Kopf zu verbannen und die Vorfreude, auf das, was kommt, zu genießen.